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Wie viel Strom kommt im Winter wirklich raus?

Solarmodule produzieren das ganze Jahr Strom — aber im Winter deutlich weniger. Drei Faktoren bedingen den Rückgang:

Kurze Tage. Im Dezember haben wir in Deutschland nur 8 bis 9 Stunden Tageslicht. Im Juni sind es 16 bis 17 Stunden. Allein die halbierte Tageslicht-Zeit reduziert den Ertrag.

Tiefe Sonnenstände. Am 21. Dezember steht die Sonne in München mittags nur 18 Grad über dem Horizont. Bei senkrechter Modul-Montage trifft das Licht fast streifend auf die Modul-Oberfläche — der Anteil, der senkrecht steht, ist gering.

Häufige Bewölkung. Deutschland hat im November und Dezember statistisch sehr wolkenreiche Tage. Bei dichter Bewölkung produzieren Module nur 15 bis 30 Prozent ihrer Nennleistung.

Konkret bei einem 800-Watt-Set in Mitteldeutschland:

MonatErtrag (kWh)Anteil am Jahr
Dezember202,3 %
Januar303,5 %
Februar505,8 %
Gesamt Winter10011,6 %

Im Vergleich zum Sommer-Halbjahr (April bis September), das rund 80 Prozent des Jahresertrags liefert, ist der Winter wirklich klein. Aber: Der Eigenverbrauch im Winter ist sehr hoch. Weil die Produktion klein ist, geht praktisch alles direkt ins Haus. Der Strom ist also unmittelbar wertvoll.

Was mit Schnee passiert

Drei Szenarien:

Leichter Schnee bei kalten Modulen. Schnee bleibt liegen. Module sind kalt, schmelzen den Schnee nicht direkt. Bei dichter Schneeschicht wird der Ertrag null, bis der Schnee abrutscht oder schmilzt.

Schnee bei aktiven Modulen. Solarmodule erwärmen sich auch im Winter geringfügig durch die einfallende Sonne. Selbst bei dichter Bewölkung ist die Modul-Oberseite oft 2 bis 5 Grad wärmer als die Umgebung. Schnee schmilzt langsam ab.

Vereisung. Bei wechselhaftem Wetter (Tau, Frost, Tau, Frost) kann sich eine Eis-Schicht bilden. Diese tut den Modulen nicht weh, blockiert aber den Strom-Ertrag bis zum Tauwetter.

Wann manuelle Räumung sinnvoll ist: Nur bei mehrtägigem, dichtem Schneefall ohne Tauwetter-Aussichten. Dann mit weichem Besen (kein Eis-Kratzer!) den Schnee abkehren. NIE mit Hacke oder hartem Werkzeug — Modul-Beschädigung droht.

Selbstreinigung durch Schräglage. Wer das Modul mit 30 Grad oder mehr Neigung montiert hat, profitiert von der Schwerkraft: Schnee rutscht von selbst ab, sobald der untere Modul-Rand nicht mehr von Reif oder Eis blockiert ist. Das ist ein zusätzliches Argument für Schräg-Montage über senkrechte Geländer-Halterung.

Wie viel Reinigung wirklich nötig ist

Solarmodule sind grundsätzlich wartungsarm und selbstreinigend. Regen wäscht Staub und leichten Pollen ab. Bei Modulen mit 30 Grad Neigung oder mehr funktioniert das nahezu komplett ohne Zutun.

Wann eine manuelle Reinigung sinnvoll ist:

Senkrechte Module am Balkon-Geländer. Hier sammeln sich Vogelkot, Pollen und feiner Staub, weil der Regen nicht effektiv abläuft. Eine Reinigung pro Jahr (Frühjahr) ist hier sinnvoll.

Stadt mit hoher Luftverschmutzung. Berlin, Hamburg, Stuttgart und das Ruhrgebiet haben höhere Staubbelastung. Eine zusätzliche Reinigung im Herbst (nach Blütenstaub-Saison) kann den Sommer-Ertrag um 2 bis 4 Prozent erhöhen.

Nähe zu Bäumen. Pollen, Laub, klebriger Honigtau von Blattläusen — alles kann sich ablagern und Reinigung erforderlich machen.

Was du brauchst:

  • Weiches Mikrofaser-Tuch oder weichen Schwamm
  • Klares Wasser (kein Spülmittel, kein Glasreiniger — Tenside könnten Module beschädigen)
  • Eventuell einen Teleskop-Reiniger mit weicher Bürste

Was du nicht machen sollst:

  • Hochdruck-Reiniger (kann Modul-Versiegelung beschädigen)
  • Glasreiniger oder Putzmittel (Tenside und Säuren greifen Anti-Reflex-Beschichtung an)
  • Eis-Kratzer oder harte Bürsten (Beschädigungs-Risiko)
  • Reinigung bei direkter Sonne (Wassertropfen wirken als Brennglas)

Wartung im Detail

Ein Balkonkraftwerk ist wartungsarmer als die meisten Haushaltsgeräte. Drei jährliche Punkte reichen:

Schrauben-Kontrolle. Im Frühjahr alle Halterungs-Schrauben mit dem Drehmoment-Schlüssel nachziehen. Vibrationen durch Wind können Schrauben minimal lockern — über Jahre summiert sich das.

Halterung-Korrosionscheck. Sichtkontrolle der Edelstahl-Verschraubungen. Bei V2A in Mittel- und Süddeutschland normalerweise problemlos. In Küstennähe (V4A) auch nach 5 bis 10 Jahren keine sichtbaren Veränderungen. Bei Aluminium-Halterungen ohne Pulverbeschichtung können sich weiße Korrosions-Spots bilden — bei Auftreten Halterung tauschen.

Wechselrichter-Status prüfen. In der App nachschauen: Produziert der Wechselrichter normal? Gibt es Fehler-Meldungen? Im Idealfall einmal pro Quartal kurz reinschauen. Bei Auffälligkeiten den Hersteller-Support kontaktieren.

Was nicht nötig ist: Keine Schmierung, kein Filterwechsel, keine Service-Inspektion durch einen Techniker. Solarmodule und Wechselrichter haben keine beweglichen Teile.

Frost und Eis: kein Problem

Solarmodule sind nach IEC 61215 auf einen Temperaturbereich von -40 bis +85 Grad ausgelegt. In Deutschland werden diese Extreme nie erreicht. Selbst bei den kältesten Wintern in Norddeutschland (-25 Grad) sind die Module weit vor ihrer Grenze.

Was mit Vereisung passiert: Eine Eis-Schicht auf dem Modul reduziert den Lichteinfall. Eis schmilzt aber meist innerhalb eines Tages, sobald die Außentemperatur über null Grad steigt. Die thermische Spannung zwischen Modul-Glas und Eis ist unproblematisch.

Was mit Wechselrichter passiert: Hochwertige Wechselrichter sind für -30 bis +60 Grad ausgelegt. Bei sehr tiefen Temperaturen (unter -20 Grad) reduziert sich der Wirkungsgrad geringfügig (1 bis 3 Prozent), beschädigt aber nichts.

Kondenswasser im Wechselrichter? Gute Wechselrichter haben IP67-Schutzklasse (komplett wasser- und staubdicht). Selbst wenn sich kurzzeitig Kondenswasser bildet, beeinträchtigt das die Funktion nicht.

Tipps für den Übergang vom Winter zum Frühjahr

Der Übergang von Februar zu März ist ein guter Zeitpunkt für die jährliche Wartung. Empfohlene Reihenfolge:

1. Reinigung der Modul-Oberfläche. Auch wenn der Ertrag dann noch klein ist, lohnt sich die Reinigung jetzt — vor der Haupt-Saison.

2. Schrauben-Kontrolle. Mit Drehmoment-Schlüssel alle Halterungs-Schrauben prüfen.

3. Halterung-Sichtkontrolle. Korrosionsspots oder Risse? Falls ja, tauschen.

4. Wechselrichter-App-Update. Hoymiles, Deye und APsystems liefern regelmäßig Firmware-Updates. Im Frühjahr ist ein guter Moment, die Update-Funktion zu nutzen.

5. Verbrauchsanalyse des Vorjahres. Wenn dein Wechselrichter die Daten speichert, schau dir die Monats-Erträge an. Identifiziere mögliche Verschattungs-Probleme oder Setup-Optimierungen.

Detail-Ratgeber zur Vertiefung

Quellen und weiterführende Informationen

Die Modul-Spezifikationen zur Frost-Resistenz entstammen IEC 61215. Praxis-Werte zum Winter-Ertrag kommen aus eigenen Messreihen seit 2022. Reinigungs-Empfehlungen haben wir mit der Verbraucherzentrale, photovoltaik.org und Hersteller-Empfehlungen von Jinko Solar abgeglichen.

Update-Hinweis

Wir aktualisieren diese Übersicht halbjährlich. Beobachtungspunkte für 2026: neue Anti-Schmutz-Beschichtungen für Module (graphenbasiert), automatische Reinigungs-Systeme für Großanlagen (für Balkone meist nicht sinnvoll), längere Garantien auf Frost-Resistenz.

Letzter Stand der Werte: 27.05.2026.